Bruce macht sich Gedanken ...

Die Elektromobilitätslüge - PART 2

Bewerten
Hallo Forum,

angesichts des Dieselskandals habe ich mich an diesen alten Blogbeitrag von mir erinnert:

http://www.hoerspass.net/blog/entry....lit%E4tsl%FCge

Ich möchte nun nicht schon wieder die Sinnfrage der Elektrofizierung des Straßenverkehrs diskutieren, jeder kann sich da selbst schlau machen.

Die Entwicklungen um den Dieselskandal allerdings finde ich für das kapitalistische System bezeichnend. Es kann mir keiner erzählen, dass die Offenlegung des Skandals irgendjemand aus der Automobilindustrie überrascht hätte. Schon gar nicht die Vorstände von VW, wie sie es der Öffentlichkeit gerne weiß machen wollen. Ein derartige Software wird nie und nimmer ohne das Wissen und die Billigung von höchster Ebene in Millionen von Autos eingebaut.

Dabei scheint es durchaus Möglichkeiten zu geben, den Diesel innerhalb der Grenzwerte zu halten, sie kosten halt nur viel Geld und sind noch dazu unsexy (bspw. große AdBlue Tanks und/oder kleine Auffüllintervalle).

Es ist also nicht so, dass die geltenden Grenzwerte unrealistisch oder unfair sind, es ist schlicht und einfach eine Frage des Profits und des Risikos.

Schauen wir uns VW an (als nahe liegendes Beispiel, nicht, dass ich die anderen Autohersteller für viel besser halte). Die Strafen in Amerika waren gesalzen, VW verdient aber weiterhin gutes Geld, die Aktie hat sich erholt, der Shareholder ist zufrieden. Was bedeutet das im Umkehrschluss? Verbrechen lohnt sich.

Jetzt mag mancher denken, Verbrechen ist ein zu starker Begriff, aber dem halte ich entgegen, dass höchst wahrscheinlich durch diese Schummelei über die Jahre eine Anzahl von Leuten mehr sterben werden, einfach aufgrund unnötig hoher Schadstoffbelastung in der Luft. Juristisch ist dem nicht beizukommen, moralisch allerdings schon.

Der deutsche Michel, ohnehin seit Jahrzehnten von der Überlegenheit der deutschen Automobilindustrie überzeugt und, jetzt mache ich mich unbeliebt, diesbezüglich hirngewaschen, kauft weiterhin gerne VW und nimmt die Ungleichbehandlung gegenüber amerikanischen Kunden hin. Es hängen ja auch Arbeitsplätze daran.

Natürlich hängen Arbeitsplätze daran, und nicht zu knapp. Aber ist das Legitimation genug, einfach alles im Sinne des Profits zu machen und quasi ungeschoren davon zu kommen? Es ist de facto nämlich nur eine unbequeme Schmälerung des Gewinns, denn die Strafe für die Konzerne wiegen den Wettbewerbsvorteil lange nicht auf. Täten sie es, wären ja wieder die Arbeitsplätze gefährdet, und das kann ja keiner wollen. Von den persönlichen Gewinnen dank Boni und nicht mehr erklärbaren Gehältern der Vorstände, die das zu verantworten haben, ganz zu schweigen. Ich habe da nur die unbequeme Antwort darauf, dass genau das in diesem unseren Wirtschaftssystem gewünscht wird. Und deshalb reagiert die Politik in Deutschland, wie sie eben reagiert.

Ein kleiner Ausweg aus der Misere wäre es, die Normen so zu verfassen, dass keine Hintertürchen mehr aufbleiben, die man geschickt ausnutzen kann. Und diese Normen sollten von unabhängigen Instituten auch abgeprüft werden. Wie kann es sein, dass die neuste Dieselgeneration in großer Anzahl im Betrieb zig Mal mehr Schadstoffe ausstößt als die Norm verlangt? Nach dem Dieseskandal? Und diese Fahrzeuge haben eine Betriebszulassung. Da fühle ich mich als Verbraucher vom Hersteller verarscht und von der Politik alleine gelassen.

Im Großen und Ganzen ist das natürlich Jammern auf hohem Niveau, wir werden so alt wie noch nie, die Gesellschaft vergreist. So ein bisschen NOX trägt zur Verjüngung bei und entlastet die Rentenkasse.

Ach ja, um den Bezug zum Titel herzustellen: wenn einer glaubt, das Elektroauto wäre die Lösung, dann ist er auf dem Holzweg. Es ist für die Umwelt ziemlich wurscht, wo der Auspuff der Energiewandlung nun angebracht ist. Am Auto, oder an Kraftwerken. Der Energiebedarf des öffentlichen Verkehrs entspricht in etwas genau dem der gesamten erzeugten elektrischen Energie in Deutschland. Und die erzeugen wir gerade mal zu einem Drittel regenerativ. Da Kernkraft keine Lösung ist, sehe ich momentan nicht, wie die benötigte Energie umweltfreundlich erzeugt werden könnte. Das E-Auto als Mittel der Wahl ist und bleibt Augenwischerei . Für besondere Anwendungen (Jobpendelfahrten) kann es im Einzelfall sinnvoll sein. Interessant ist, dass ein E-Auto per se als emissionsfrei gilt, es hat ja keinen Auspuff. Somit "subventioniert" jedes verlaufte E-Auto verbrauchsstarke Verbrennermonsterautos durch die Gesamt-CO2 Bilanz. Auch so ein Unsinn!

Ich hatte es ja schon mehrfach gesagt, die einfachste Methode, Schadstoffe zu reduzieren, ist nicht zu fahren. Ein Tag Home-Office für alle würde auf einen Schlag dutzende Probleme reduzieren ... aber wo kommen wir denn da hin?

Es ist ein Jammer!

"Die Elektromobilitätslüge - PART 2" bei Twitter speichern "Die Elektromobilitätslüge - PART 2" bei Facebook speichern "Die Elektromobilitätslüge - PART 2" bei Mister Wong speichern "Die Elektromobilitätslüge - PART 2" bei YiGG.de speichern

Stichworte: - Stichworte bearbeiten
Kategorien
Der alltäglicher Ärger

Kommentare

  1. Avatar von Bruce
    Wenn es einer Bestätigung meines Beitrages gebraucht hätte, dann hat sie der Ausgang des gestrigen Dieselgipfels gebracht. Ein Softwareupdate soll nun das Heil bringen. Die billigste und unwirksamste aller möglichen Lösungen. Kunden- und Umweltinteressen werden somit klar dem Wohle der Industrie untergeordnet. Noch Fragen?
  2. Avatar von Plüschus
    Ich denke auch, daß weniger "Fahren müssen" die Umwelt am meisten schonen würde. Warum eigentlich fahren Menschen täglich 100 oder mehr Km mit dem Auto zur Arbeit ? Weil sie müssen ? Nein, meist sie haben sich so entschieden und unser Steuersystem fördert dies noch.
  3. Avatar von Bruce
    Naja, die Freizügigkeit der Berufswahl und des Wohnorts sind Grundrechte. Und ich glaube durchaus, dass Pendelfahrten einer wirtschaftlichen Notwendigkeit entsprechen, erst Recht, wenn es sich um Familien mit zwei Berufstätigen handelt und Lebensmittelpunkt und Erwerbstätigkeiten mehrerer Personen unter einen Hut zu bringen sind. Ich fahre genau deshalb jeden Tag über 100km arbeitsbedingt. Die steuerlichen "Vorzüge" stehen in keinem Verhältnis zu den Kosten. Eine steuerliche Förderung von Homeoffice Arbeitsplätzen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer wäre IMHO sehr hilfreich.
    Aktualisiert: 06.08.2017 um 13:45 von Bruce
  4. Avatar von Plüschus
    Zitat Zitat von Bruce
    Naja, die Freizügigkeit der Berufswahl und des Wohnorts sind Grundrechte. Und ich glaube durchaus, dass Pendelfahrten einer wirtschaftlichen Notwendigkeit entsprechen, erst Recht, wenn es sich um Familien mit zwei Berufstätigen handelt und Lebensmittelpunkt und Erwerbstätigkeiten mehrerer Personen unter einen Hut zu bringen sind. Ich fahre genau deshalb jeden Tag über 100km arbeitsbedingt. Die steuerlichen "Vorzüge" stehen in keinem Verhältnis zu den Kosten. Eine steuerliche Förderung von Homeoffice Arbeitsplätzen für Arbeitgeber und Arbeitnehmer wäre IMHO sehr hilfreich.
    Natürlich steht die Freizügigkeit der Berufswahl und des Wohnorts nicht zur Debatte ! Man muß sich aber doch im Klaren sein , daß man als Pendler oft mehr als 2 Stunden täglich auf dem Weg zur Arbeit auf der Straße oder der Bahn verbringt. Diese 2 Stunden sind meiner Meinung verlorene Lebenszeit, auch wenn ich nach wie vor begeistert Auto fahre !
    Wohnen auf dem Lande und ein Job in der High Tech Industrie passt meist nicht ohne lange Anfahrzeiten zusammen. Es ist also auch immer eine persönliche Entscheidung ob man Wohnortwünsche und Arbeitsplatzwahl ( sofern man diese Wahl überhaupt hat ! ) zusammenbringt.
  5. Avatar von Bruce
    Zitat Zitat von Plüschus
    Natürlich steht die Freizügigkeit der Berufswahl und des Wohnorts nicht zur Debatte ! Man muß sich aber doch im Klaren sein , daß man als Pendler oft mehr als 2 Stunden täglich auf dem Weg zur Arbeit auf der Straße oder der Bahn verbringt. Diese 2 Stunden sind meiner Meinung verlorene Lebenszeit, auch wenn ich nach wie vor begeistert Auto fahre !
    Ja, das ist so. Ich versuche sie, mit D Radio Kultur zu "erfüllen".

    Wohnen auf dem Lande und ein Job in der High Tech Industrie passt meist nicht ohne lange Anfahrzeiten zusammen.
    Ach, das hat mit HighTech nichts zu tun. Spezialisten (zu denen ich gehöre) sind in Ihrer Arbeitgeberwahl durchaus eingeschränkt. Kollegen aus Hamburg oder München fahren mit den Öfis noch länger, die können sich eine Wohnung in Arbeitsplatznähe gar nicht leisten, obwohl sie gut verdienen.

    Es ist also auch immer eine persönliche Entscheidung ob man Wohnortwünsche und Arbeitsplatzwahl ( sofern man diese Wahl überhaupt hat ! ) zusammenbringt.
    Eben, sofern man diese Wahl hat. Hat man aber nicht, insbesondere bei Familien mit mehr als einem Erwerbstätigen. Irgendeiner muss immer fahren. Und was für die Arbeit ein guter Wohnort wäre, muss für das Umfeld der Kinder noch lange nicht gut sein. Und da heißt es: Kids first!

Trackbacks