Bruce macht sich Gedanken ...

Planlos CO2-los

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Die ehemalige Flintenuschi in Brüssel hat ein klares Ziel vorgegeben: CO2 frei soll die EU werden, koste es, was es wolle. Berlin nimmt den Ball gerade auf und vollzieht den Kohleausstieg, nicht ohne zuerst mal ein neues Kohlekraftwerk ans Netz zu nehmen. Man muss nicht alles verstehen.

Vorab: ich halte die Verstromung von Kohle für relativ ungünstig im Hinblick auf das Ziel, den CO2 Ausstoß auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Außerdem halte ich das Abbaggern von deutscher Kulturlandschaft, um an billigen dreckigen Brennstoff zu kommen, für nicht mehr zeitgemäß. Aber irgendwo muss in diesem hochtechnisierten Land verlässlich der Strom auch herkommen.

Ich bin ein Verfechter der erneuerbaren Energien. Man muss allerdings zur Kenntnis nehmen, dass die Stromerzeugung mit Windrädern und Solarkraft prinzipbedingt enormen Schwankungen unterliegt, so dass ein gewisser Teil von grundlastfähigen Kraftwerken zur Sicherstellung der Netzstabilität absolut notwendig ist. Dies waren bisher zum größten Teil Kohle- und Kernkraftwerke. Man kann aus der Kernkraft aussteigen, man kann aus der Kohle aussteigen. Man kann aber nicht aus beidem aussteigen, ohne für Ersatz zu sorgen. Der Ersatz soll nun im Import von Strom liegen.

Da fühlt man sich etwas verarscht. Wir Deutschen bezahlen seit Jahren ständig mehr Geld für unseren Strom aufgrund des Umbaus der Energiewirtschaft zu erneuerbaren Energien; die Energieversorger werden nun mit zig Milliarden abgefunden, und im Endeffekt importieren wir im Bedarfsfall dann Kohlestrom aus Polen und Kernkraft aus Frankreich, Belgien und der Tschechei, sofern sie ihn nicht selbst brauchen. Denn in kalten Wintern brauchen die Franzosen Strom von uns und nicht wir von ihnen.

Es ist nun nicht gerade so, dass in der Zukunft mit sinkendem Strombedarf zu rechnen ist. Im Gegenteil, die Elektrifizierung des Verkehrs wird kommen und die deutsche energieintensive Stahlwirtschaft soll auf Wasserstoff umgestellt werden. Hierzu sind wiederum gigantische Strommengen notwendig. Gut, eine Autoflotte oder Power to Gas sind relativ gut durch volatilen Strom zu versorgen, aber Rechenzentren, Krankenhäuser und jeder andere Betrieb/Privathaushalt, der auf permanente Stromversorgung angewiesen ist, eben nicht.

Was muss also geschehen, wenn man den Weg, den Deutschland eingeschlagen hat, weiter gehen möchte?

Zunächst: es muss bedeutend mehr erneuerbare Energieerzeugung geschaffen werden.

Nun ist Deutschland nicht mit übermäßiger Sonne, übermäßigem Wind oder übermäßigem Platz gesegnet. Da kann es eigentlich nur so sein, dass jeder Immobilienbesitzer quasi dazu verpflichtet wird, seine Dachflächen mit Solarpanels zu belegen und der Ausbau von Off-Shore Windenergie massiv erweitert wird. Beides Maßnahmen, die durch Genehmigungsverfahren und Vergütungsreduzierung der Regierungen gekontert werden.

Dann: das Netz muss endlich ernsthaft erweitert werden. Die Leute möchten aber keine Hochspannungsleitungen in ihrem Vorgarten. Kann man verstehen, es gibt Alternativen (Erdkabel und HGÜ). Kostet Geld? Ja nee, is klar!

Am wichtigsten: Schaffung von sehr umfangreichen Energiespeichern. Es geht nicht ohne. Wie können die aussehen?

Naheliegend ist, wenn künftig Millionen Autos mit nem dicken Akkupack hauptsächlich in der Gegend rumstehen, diesen dazu zu nutzen, das Netz zu stabilisieren. Das wird nur über entsprechende Vergütung für die Autobesitzer funktionieren. Angenehmer Nebeneffekt: Wenn die Vergütung die Abnutzung des Akkus aufwiegt, nimmt das den Leuten die Scheu vor der neuen Technologie.

Natürliche Speicher hat Deutschland so gut wie keine, andere Länder aber schon. Man darf das Energieproblem eben nicht nur national denken.
Power to Gas kann ebenfalls eine Alternative sein, der Wirkungsgrad ist allerdings gering.

Dann: man sollte die Genehmigung von erneuerbaren Energiequellen an die gleichzeitige Schaffung oder Beteiligung an Energiespeichern knüpfen. Damit dann irgendwer überhaupt noch so etwas baut, muss das Ganze staatlich umfangreich subventioniert werden. Ist das doof? Ja, aber auch nicht doofer, als die Subventionierung von Kohle und Kernkraft.

Was sehen wir momentan von alledem? Nichts. Die Bundesregierung ist getrieben von öffentlichem Druck, den CO2 Zielen und bar jeglicher Fantasie, außer viel Kohle für weniger Kohle auszugeben, um die Stakeholder zu beruhigen. Sieht so eine nachhaltige, vernünftige Politik aus? Ach, was frag ich auch ...

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Stichworte: co2 srom energie Stichworte bearbeiten
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Kommentare

  1. Avatar von Plüschus
    Was

    ich gut nachfühlen und verstehen kann .

    Dann: das Netz muss endlich ernsthaft erweitert werden. Die Leute möchten aber keine Hochspannungsleitungen in ihrem Vorgarten. Kann man verstehen, es gibt Alternativen (Erdkabel und HGÜ). Kostet Geld? Ja nee, is klar!


    Fakt ist aber , daß der meiste Windstrom im Norden erzeugt wird (und in Zukunft noch mehr wird ) und dazu Leitungen erforderlich sind um den Strom in den Süden transportieren zu können und damit auch das Netz stabilisieren zu können. Unabhägig von den zahlreichen diesbezüglichen Partikularinteressen entstehen hier neue Abhängigkeiten vom Norden, die zwei Bundesländer im Süden meiden wollen wie der Teufel das Weihwasser.
    Solange eine Regionalpartei noch immer bundesweit starken Einfluß hat , wird sich daran nicht viel ändern !
  2. Avatar von Bruce
    Fakt ist aber , daß der meiste Windstrom im Norden erzeugt wird (und in Zukunft noch mehr wird ) und dazu Leitungen erforderlich sind um den Strom in den Süden transportieren zu können und damit auch das Netz stabilisieren zu können. Unabhägig von den zahlreichen diesbezüglichen Partikularinteressen entstehen hier neue Abhängigkeiten vom Norden, die zwei Bundesländer im Süden meiden wollen wie der Teufel das Weihwasser.
    Solange eine Regionalpartei noch immer bundesweit starken Einfluß hat , wird sich daran nicht viel ändern !
    Ja, das ist alles zu klein klein und regional gedacht. Ich meine, klar wollen die Leute keine Hochspannungsmasten im schönen "Ländle" oder wo auch immer. Aber dann geht man halt in den Boden. Kostet Unsummen, aber he, wir geben gerade 40 Milliarden für den Kohleausstieg aus, und dann soll kein Geld mehr für sowas sein?
  3. Avatar von Plüschus
    Vor allem

    40 Milliarden
    als Förderung für die entgangenen Gewinne der Kohle-Energiekonzerne.

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