+ Antworten
Seite 3 von 20 ErsteErste 1234513 ... LetzteLetzte
Ergebnis 21 bis 30 von 196

Thema: Warum ist Raumakustik wichtig

  1. #21
    Ein reflexionsarmer Raum wird oft als abschreckendes Beispiel genannt.
    Das beruht meines Erachtens auf einem Missverständnis.

    Es ist nicht die AKUSTIK, die einen solchen Raum für viele beängstigend erscheinen lässt.
    Es ist die OPTIK: keine Fenster, bedrohlich auf die Mitte zielende monströse Keile etc.

    Der Klang in einem solchen Raum ist ähnlich dem auf einer einsamen verschneiten Wiese.
    Dort bezeichnen wir das als paradiesische Ruhe und finden es schön.

    PS: Mit der subjektiven Vorliebe hast du recht.
    Es sind über eine lange Zeit geprägte Hörgewohnheiten im Spiel, die von üblichen Wohnräumen ausgehen.
    Vielen Musikhörern reicht das und sie sind zufrieden.
    Solche Zuspitzer wie unsereins sind die Ausnahme.
    Geändert von Eusebius (07.01.2016 um 12:38 Uhr)

  2. #22
    Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
    17.01.2012
    Beiträge
    282
    Ich persönlich habe es nicht getestet.
    Aber wenn z.B. ein Toole ein Olive,... eben Leute die das fast ihr ganzen Leben lang testen zum Ergebnis kommen dass ein RAR kein "guter" (=gefälliger) Hörraum ist und eben Reflexionen nicht immer schlecht sind und manche Dinge eben nicht verschmieren sondern sogar unterstützen, dann ist das für mich doch zumindest zu hinterfragen.

    Eine der besten Anlagen die ich gehört habe war in einem großen Wohnzimmer. Schätze mal >60m² und 4m Deckenhöhe. Es waren Hörner und bis auf übliche Einrichtung keine RA Elemente.

    Die Berichte zum Blackbird Studio ohne einen einzigen Absorber die ich kenne sind auch sehr positiv.

    Ich bin selbst am überlegen was denn nun die beste Lösung ist.
    Mein aktueller Hörraum liegt von der NHZ an der unteren Grenze der EBU Tech 3276 Toleranz für Studios. Ist aber auch ein Mehrkanal Setup.

    mfg

  3. #23
    Ich denke, dass auch die von dir genannten Koryphäen durchaus pragmatische Ansätze berücksichtigen.
    Es sollen ja möglichst allgemein umsetzbare Erkenntnisse herauskommen.
    Zusätzliche Raumanteile können sehr gefallen, keine Frage.

    Aber rein physikalisch ist es unmöglich, dass vom Hörraum erzeugte "nachklappernde" Schallanteile einen Originalklang (original hier im Sinne von: auf dem Tonträger vorhanden) in seiner Originalität nur verstärken.
    Die schlichte Logik sagt, dass durch den Zeitversatz des Nachhalls und die Überlagerung mit dem jeweils aktuellen Direktschall eine Verfälschung stattfinden muss.

    Nochmal: Dass das gefallen kann, steht außer Frage.

    Was die Horn-Anlage betrifft, von der du sprichst: Ich wäre sehr neugierig, wie darüber z.B. ein Streichquartett klingt.

  4. #24
    Erfahrener Benutzer Avatar von Bruce
    Registriert seit
    23.11.2011
    Ort
    mittelaltes Bundesland
    Beiträge
    3.223
    Blog-Einträge
    16
    Naja, ich denke, zuhause ist man immer weit von einem RAR entfernt.

  5. #25
    Noch ein Aspekt, über den man sich im klaren sein muss:

    Wer seinen Raum behandelt, erhöht die Sauberkeit der Wiedergabe.
    Das führt dazu, dass man lauter hören kann und auch will. Der Klang wird nicht lästig.

    Wegen der Zurückführung der Reflexionen und der Konzentration auf den Direktschall sinkt aber bei gleichbleibender Lautstärke-Einstellung der Lautheitseindruck am Hörplatz.
    Es fehlt schlicht der Zusatz-Pegel, der sonst durch die Reflexionen immer noch oben drauf kam.

    Das bedeutet: Man muss weiter aufdrehen, um wieder denselben Lautheitseindruck zu erreichen.
    Aber darüber will man ja nun gerne noch hinaus, weil es jetzt so gut klingt.....

    Heißt also: die Reserven der Anlage werden deutlich stärker gefordert.
    Bei mir konnten die 901k, die nun wahrlich nicht leise sind, das nicht mehr alleine stemmen.
    Auch deshalb habe ich sie durch die Einbindung meiner beiden Aktiv-Bässe entlastet.
    Nun geht es wieder richtig laut.

  6. #26
    Spannendes Thema.
    Ich frage mich übrigens auch, was bzw. welche "Art" von Raumakustik, die für mich richtige wäre.

    Ich höre auch mit großen Hörnern, was die viel beschriebene "starke Bündelung" von Hörnern angeht stimmt es meist nicht wirklich, daß sie den Direktschall mit so viel mehr Pegel in den Raum abgeben, daß der Raum viel weniger Einfluß hat, das passt nur, wenn der Raum sehr groß ist und einen großen Abstand zu den Wänden zulässt.
    Ich habe die Messung meiner Mitteltöner noch vor Augen, bis ca35° seitlich fällt der Pegel praktisch gar nicht. Aber auch das, lässt sich schlecht auf alle Trichter-LS übertragen. Die Bündelung ist natürlich auch bei Kugelwellentrichtern immer vorhanden. Dabei ist es so oder so günstig wenn man Trichter nicht so breitbandig nutzt. Der günstige Bereich für die Bündelung liegt aber auch genau da, wo es für "den Rest" auch am günstigsten ist. In wie weit ich eine gleichmäßige Bündelung der drei Trichter hinbekommen werde, steht noch in den Sternen. Ich versuche durch verschiedene Bauformen der Drei (Horn)Wege und Nutzung des jeweilig günstigsten Frequenzbereiches, die Bündelung ohne zu starke Schwankungen hinzubekommen.
    Wenigstens seitlich!!

    Zur RA zurück, ich denke auch, daß theoretisch ein RAR der ideale Hörraum wäre, um nur das zu hören, was auf der Quelle gespeichert ist. Ähnlich dem Kopfhörer.
    Das kann ich so aber nicht bestätigen, ich habe zwar noch nicht in einem RAR gehört, aber schon über Kopfhörer empfinde ich es als unnatürlich, mir fehlt dabei vermutlich wenigstens etwas an Raumantwort.
    Ich versuche das später mal zu beschreiben, was ich probiert habe und wie es mir jeweils gefallen hat.
    Stand im Moment wäre beschreibbar als live front/ dead end mit starker Absorbtion der ersten Reflektionen.

  7. #27
    Kopfhörer ist noch ein anderes Thema.
    Man kann das nicht direkt vergleichen, da in der Regel das eine Ohr nichts von dem mitbekommt, was das andere hört.
    Zwar gibt es Schaltungen, die das mit einem künstlich erzeugten Übersprechsignal ausgleichen sollen, doch auch das ist dann wieder eine andere Baustelle.

  8. #28
    Erfahrener Benutzer Avatar von Thelemonk
    Registriert seit
    05.11.2015
    Ort
    Hessen
    Beiträge
    472
    Ich denke nicht, dass der RAW ein guter Hörraum ist.
    Warum?
    Es gibt keine natürliche Entsprechung.

    Als Stadtmenschen sind wir zeitlebens geprägt auf eine akustisch lebendige Umgebung.
    Daher denke ich schon, dass die beschriebenen Reaktionen wie Beklemmung oder das unangenehme Pochen des Blutes in den Ohren aufgrund dieser außergewöhlichen, extremen (stillen) Umgebung, nicht nur eine Reaktion auf den optischen Eindruck ist.
    Es ist ein extremer Bruch mit der alltäglichen, akustischen Erfahrung.

    Auf der anderen Seite kann der Konzertsaal, der akustische Fingerabdruck bevor die Musik einsetzt, nur dann in das eigene Wohnzimmer transportiert werden wennn die dazu notwendige Stille vorhanden ist.
    Vielleicht benötigt man einen gewissen diffusen Schallanteil als Krücke?

    In einem Wohnzimmer wird man immer Kompromisse machen müssen.
    Raumakustik ist schon auch ein Stück Geschmackssache, eigentlich müsste man auch Raumakustik testen bzw. zur Probe hören.....

    Eusebius hat hier bereits eine, in meine Augen, wichtige Feststellung getroffen: die Nachhallzeit muss ausgewogen abgesenkt werden.
    In einem Wohnzimmer setzt hier der Bereich unter 200 Hz die Grenze des möglichen.

    Der teils schlechte Ruf bzw. Vorbehalte bezüglich Raumakustik beruht zum Teil auf Verkäufern die nur Schaumstoff im Angebot haben u. damit den Leuten die Bude zupflastern, was dann zu einem dumpfen, matschigen Sound führt, da alles über 1000 Hz totgedämpft wurde, der Basssumpf aber unverdrossen vor sich hin mulmt.

    Es ist aber auch der Aufwand der dahinter steht:
    - Ich habe mich von meiner alten Anlage komplett getrennt um unter anderen mehr Variabilität in der Aufstellung zu gewinnen
    - Das Wohnzimmer wurde komplett umgestellt
    usw.

    So stellt sich die Situation heute da:

    Grundriss - 1. Boden - 3D Floor Plan.jpg

    Das Stereo-Dreieck spannt sich über 2,20m auf.
    Die Lautsprecher eingewinkelt auf den Hörplatz.

    Vorteil gegenüber der alten Aufstellung:
    - Optimierung des direkten Schallfeldes
    - weniger Raumeinflüsse
    und dadurch eine bessere Abbildungleistung.
    Aber so richtig zufrieden war ich da noch nicht.

    Viele Grüße
    Thelemonk

  9. #29
    Hallo Thelemonk!

    Mein Versuch der Ehrenrettung des RAR heißt nicht, dass ich meinen Hörraum zu einem solchen machen möchte.
    Obwohl ich auf diesem Wege weiter gegangen bin als jeder andere Hörer, den ich bisher besucht habe, ist es wie Bruce sagt: Von einem RAR ist auch das noch weit entfernt.

    Was das Eindrehen der LS betrifft, ist das ein probates Mittel, um die Reflexionen von den benachbarten Wänden möglichst gering zu halten.
    Deine Hörposition weit weg von der Rückwand beschert dir zumindest mal von hinten kein Ungemach.
    Leider ist das ja in vielen Wohnräumen Standard: Die Couch steht vor der Wand. Da knallen dann die kurzen harten Reflexionen von hinten rein.

    Das mit dem Akustik-Probehören biete ich dir gerne an: Du wohnst ja zumindest mal in Hessen - genau wie ich.
    Wenn du magst, melde dich per PN.
    Gilt übrigens auch für Bruce.

    Gruß!
    Rainer

  10. #30
    Erfahrener Benutzer Avatar von Thelemonk
    Registriert seit
    05.11.2015
    Ort
    Hessen
    Beiträge
    472
    Hallo Eusebius,

    die Asymmetrie der Aufstellung und des Raumes macht die Akustik bei mir schwer berechenbar.
    Ich habe zwei schwere Akustikvorhänge von Rabenring http://shop.rabenring.com/Akustikvorhang-MKFM-1400 hinter den Lautsprechern hängen, die dann vor das bodentiefe Fenster gezogen werden können.

    Diese sind ein Segen und haben mein ursprünglich leicht "anstrengendes" und etwas diffuses Klangbild zum positiven hin verschoben. Eine wirklich gute Investition.

    Die linke Wand habe ich aktuell auf 3x1,20m mit diesen Elementen http://www.hoerzone.de/shop/raumakus...r-stoff/andes/
    behandelt. Ziel war die Unterdrückung von kritischen Erstreflexionen und des vorhandenen Flatterechos zwischen der rechten u. linken Wand. Die Dinger sind ganz schick u. wurden damit von meiner Regierung toleriert.

    In Kürze werde ich noch den Spiegelpunkt an der Decke behandel, ich bin mir derzeit aber noch nicht ganz klar darüber in welcher Form: Absorbierend oder über Diffusor Elemente.

    Meine Erfahrungen die ich zu diesem Thema sammeln durfte haben meine Einstellung bezüglich des Stellenwerts von Elektronik ziemlich geerdet. Jedenfalls nehme ich das was bei mir steht nicht als limitierenden Faktor war.

    Danke für das freundliche Angebot, ich komme gerne darauf zurück.
    Es würde mir sicher helfen zu beurteilen wo ich mit meiner Kette stehe.
    Auch wenn ich mit der Marke höre, die von Herrn Kiessler gerne mit dem "Trichter" vor dem Mund karikiert wird


    Viele Grüße
    Thelemonk

+ Antworten
Seite 3 von 20 ErsteErste 1234513 ... LetzteLetzte

Lesezeichen

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein