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Thema: Smyth Research / Realizer

  1. #1
    Erfahrener Benutzer Avatar von Thelemonk
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    Smyth Research / Realizer

    Ich persönlich halte, auch wenn ich diesen noch nicht selbst erfahren durfte, den Smyth Realizer für ein faszinierendes Stück Technik. Insbesondere deshalb, da ich selbst keine Möglichkeit habe eine Mehrkanal Installation bei mir zu betreiben.

    Aktuell läuft allmählich eine Kickstarter-Phase dem Ende entgegen.
    Entwickelt werden soll eine neue und technisch aktualisierte Version des Realizers 8: der Realizer 16, welcher in der Lage sein wird alle bekannten Mehrkanalformate zu unterstützen.

    Nähere Informationen sind hier zu finden: realiser

    Viele Grüße
    Thelemonk
    Geändert von Thelemonk (20.08.2016 um 21:51 Uhr)

  2. #2
    Erfahrener Benutzer Avatar von Thelemonk
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    Für Interessierte denen das Thema unbekannt ist, folgend noch einige Hintergrundinformationen um die Funktionsweise dieses Geräts näher zu beleuchten.

    Zunächst kennt jeder den sogenannten "In Kopf Lokation" (IKL) Effekt wenn man sich einen Kopfhörer auf die Ohren setzt. Die Bühne spannt sich sozusagen zwischen Ohren auf, was ein ziemlich unnatürlicher und zudem meist unerwünschter Effekt ist. Dieser Effekt ist eng verbunden mit der Art und Weise wie wir räumlich Hören. Die Erforschung des "Räumlichen Hörens" ist kein neues Wissenschaftsfeld, sondern ist mit seine Anfänge mit z.B. E. Bloch bereits im Jahr 1893 verortet. Erstaunlich oder?

    Zur Beschreibung der Lokalisation von räumlichen Hörereignissen wird ein kopfbezogenes Koordinatensystem aufgespannt:

    Kopfbezogenes Koordinatensystem.jpg
    Quelle: Handbuch der Audio Technik

    der Ursprung des polaren Koordinationssystems befindet sich genau zwischen den beiden Gehörgangskanälen.
    Von monauralen Ohrsignalen spricht man wenn nur ein Ohr zur Auswertung notwendig ist, von interaural spricht man wenn zur Auswertung beide Ohren herangezogen werden müssen.

    Insgesamt ist festzuhalten, dass der Hörsinn kein "isolierter" Sinn ist, sondern zur Auswertung beispielsweise auch optische Reize mit herangezogen werden (Bauchrednereffekt). Auch (unwillkürliche) kleine Kopfbewegungen relativ zur Schallquelle unterstützen das Bemühen Schalleinfallsrichtungen schärfer zu lokalisieren.

    Schallsignale welche von uns Hörern wahrgenommen werden unterliegen einer linearen Verzerrung bezüglich Amplituden- und Phasenverlaufs.
    Dieser Effekt ist zum Einen abhängig von der Einfallsrichtung und zum Anderen abhängig von einer individuell unterschiedlichen Head-Releated Transfer Funktion (HRTF). Hierbei handelt es sich im Grunde um einen mechanischen Filter, welcher durch Gehörgang, Ohrmuschel, Kopf und Schulterprofil gebildet wird. Dieser HRTF ist ähnlich individuell wie ein Fingerabdruck.

    Außenohr Übertragungsfunktion.jpg

    Quelle: Handbuch der Audio Technik

    Diese Filterfunktion HRTF ist nicht monaural sondern interaural Orts- und Frequenzabhängig:

    Frequenzgang HRTF.jpg
    Quelle: Handbuch der Audio Technik

    Die meisten von uns kennen Sie noch: die Kunstkopfhörspiele aus den 70gern.
    Dazu hat man in die Gehörgänge eines Kunstkopfes die Mikrofone eingesetzt und damit den hiermit durchgeführten Aufnahmen einen genormten
    HRTF-Filter aufgeprägt. Abgehört über Kopfhörer ergab sich hieraus schon ein verblüffend realistische, räumliche Darstellung. Man spricht in diesem
    Zusammenhang auch von Binauralen Tonaufnahmen.

    Die Nachteile waren: keine Kompatibilität bezüglich Lautsprecherwiedergabe, kein idividualisiertes HRTF-Profil, Aufnahmen größerer Klangkörper (Orchester) praktisch nicht möglich.

    Der Smyth Realizer geht hier einen anderen Weg:
    Für jeden Kanal (Ort) wird ein individualisiertes HRTF-Profil erfasst.
    Erstellt werden diese Profile über In Ear Micros über die kanalsbezogene HRTF's erfasst werden - dies macht auch klar, dass hier ein anderes Problemfeld addressiert wird, im Gegensatz zur Kunstkopfaufnahme welche nicht kanalbezogen arbeitet.
    Mit diesen Profilen wird das Musiksignal gefiltert bzw. auf digitaler Ebene gefaltet.

    Damit entfallen einige wesentlichen Nachteile: das HRTF ist individualisiert und man benötigt keine spezifische Aufnahmetechnik.
    Der Nachteil ist, der Realizer ist kanalgebunden, es geht um eine möglichst realistische Darstellung einer begrenzten Anzahl von Schallquellen im Raum.

    Messe ich in einem halligen Raum ein Paar Qäktröten ein, höre ich über Kophörer dann eben ein Paar üble Qäktröten.
    Messe ich in einem guten Studio ein ATMOS System ein .... tja, dann wird es interessant.
    Mittels Headtracking wird die Illusion zusätzlich unterstützt.

    Korrekturen, Anmerkungen, Kritik immer gern gesehen.

    Viele Grüße
    Thelemonk
    Geändert von Thelemonk (21.08.2016 um 16:00 Uhr)

  3. #3
    Erfahrener Benutzer Avatar von Schlappen
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    Ich finde den Smyth Realizer auch sehr interessant, vor allem für Kopfhörer-Wiedergabe.
    In diese Technik würde ich persönlich mehr Geld reinstecken, als in einen überteuerten Kopfhörer, der trotzdem nur die übliche Stereo "Ping-Pong" Wiedergabe kann.
    "Schaust Du hin, so sind die Menschen insgesamt blöde." (Shaggil-kinam-ubib)

  4. #4
    Erfahrener Benutzer Avatar von Thelemonk
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    Ja das ist schon verrückt, im Grunde füttert man den Kopfhörerboliden mit völlig ungeeigneten Material....das erstaunliche daran ist, dass unser Hirn daraus was für uns brauchbares zurechtzimmert und man doch immer mal wieder mit Genuß den Kopfhörer aufsetzt.

    Ein großer Vorteil beim Hören mit dem Kopfhörer ist, dass die akustischen Einflüsse des Raumes ausgeschaltet werden. Mit dem Realizer bringen wir diesen Einfluß wieder mit in das Spiel. Dies sollte man bedenken.

    Leider sind wir Beide IKL verseuchte Würmer. Lass uns einfach hart an unserem HigEnd-Karma arbeiten, dann werden wir gewiss als IKL-Befreite wiedergeboren.

  5. #5
    Erfahrener Benutzer Avatar von Schlappen
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    Zitat Zitat von Thelemonk Beitrag anzeigen
    Leider sind wir Beide IKL verseuchte Würmer. Lass uns einfach hart an unserem HigEnd-Karma arbeiten, dann werden wir gewiss als IKL-Befreite wiedergeboren.
    Ach, ich möchte meine IKL gar nicht verlieren. Sonst würde ich vielleicht auch noch andere, dumme Sachen erzählen.
    "Schaust Du hin, so sind die Menschen insgesamt blöde." (Shaggil-kinam-ubib)

  6. #6
    Erfahrener Benutzer Avatar von Thelemonk
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    Der Einstieg in die Kopfhörerwiedergabe ist nicht ganz einfach.
    Relativ schnell wird man mit Begrifflichkeiten konfrontiert die einem erstmal ratlos zurücklassen: auch hier gilt es eine Lernkurve zu meistern.

    Dabei geholfen hat mir die folgende Bachelorarbeit mit dem schönen Titel :
    "Entwicklung einer nutzerfreundlichenIndividualisierung von Binauraltechnik"

    Man sollte sich von dem etwas sperrigen Titel nicht abschrecken lassen, bekommt man doch eine eine gute Einführung in das Hören ingesamt und den damit verbundenen Wiedergabetechniken geboten.

    https://www.hdm-stuttgart.de/~curdt/Neumeier.pdf







  7. #7
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    Hallo zusammen,

    die Kickstarter-Kampagne für den Realizer A16 läuft noch 5 Tage und das recht erfolgreich.
    Ziel war es es Minimum 100.000 £ einzusammeln - zusammengekommen ist ein Topf > 270.000 £.
    Dies entspricht einer Vorbestellung von > 300 Geräten - für ein Nischenprodukt nicht schlecht und insgesamt für die Smyth Brüder ein Erfolg.

    Als Straßenpreis werden 1600£ angepeilt, dies entspricht etwa 1900€.
    Der neu A16 wird damit erschwinglicher als der aktuelle A8 der um 3100€ gelegen hat.
    An eine größere, preisgetriebene Verbreitung glaube ich allerdings nicht - die größte Hürde ist nachwievor, dass eine individuelle Einmessung erfolgen muss, will man das Potential des Gerätes erfahren.

    Hier noch zwei Dokumente über den A16 für Interessierte:

    http://www.smyth-research.com/downlo... datasheet.pdf

    http://smyth-research.com/downloads/...al_KS_info.pdf

    Viele Grüße
    Thelemonk

  8. #8
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    Ich hatte nicht mehr daran geglaubt, ihn jemals in den eigenen Händen halten zu können.
    Über 4 Jahre sind nun nach Beendigung der Kickstarter Kampagne vergangen und nun ist er endlich da:

    https://share.icloud.com/photos/06BB...GCUGNQ#Zuhause

    Kein Plug & Play Gerät, das Manual ist 130 Seiten stark.
    Ein absolutes Nischenprodukt.

    Viele Grüße
    Thelemonk

  9. #9
    Na dann mal viel Spaß und Prost Mahlzeit. 4 Jahre? Ich möchte nicht wissen, wer das alles nicht mehr erlebt hat....
    ---------------
    ...der mit dem Vinyl tanzt......

    Entwickelt und hört mit MEG, HiFiMan, NADAC, RME, WSS, Dynavector, Lyra, Soundsmith, Creaktiv und viel, viel Viniel......

    Gewerblicher Teilnehmer, hier auf rein privaten Exkursionen

    ​Und immer daran denken: "Gute Fahrer haben die Fliegenreste auf den Seitenscheiben." - Walter Röhrl

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