Hallo,

Jahre, wenn nicht gar gefühlte Jahrzehnte war es her, daß ich Rainer zusagte, ihn zu besuchen um seinem Ensemble in der Dach-Lounge zu lauschen. Die Jahre kamen, die Jahre gingen und jedes Mal, wenn ich an der Abfahrt Langen Richtung Norden - aber auch gen Süden - vorbeifuhr, wurde mein Gewissen trüber und schlechter...

Unter dem frischen Eindruck des Ablebens meines Großonkels - der just in unserem letzten Urlaub verstarb und ich das vorher auch noch ahnte, dass es so kommen würde - brach sich die (eigentlich umfänglich vorhandene) Erkenntnis Bahn, dass man Dinge nicht aufschieben sollte. Nicht dass ich mit dem akuten Verlust des Besuchten noch meiner Einer rechnen oder selbigen fürchten würde, aber man sollte doch einfach sich die Zeit nehmen. Und einer meiner Wahlsprüche ist nun mal: "Die Zeit, die ich nicht habe, nehme ich mir gerne!"

Also so begab es sich letzten Freitag, dass ich den Anlass des Sommerfests bei Claus ergriff und endlich bei Rainer eine Stippvisite einplante. Hier nochmals meinen herzlichen Dank an Rainer für den netten Empfang und die Zeit, die er sich für mich nahm.

So, nun aber zum wesentlichen dieses Beitrags. Wir alle hier kennen ja hinreichend viele Bilder, wie Rainer seine Klangoase gestaltet hat. Hier aber führt der alte Spruch, wonach Bilder mehr als 1000 Worte sagen, in die Irre - man muß es selbst erlebt, gespürt und erfahren haben...

Rainer hat mit einer unglaublichen Liebe zum Detail sich der Akustik seiner "Hör-Lounge" angenommen und mit tollen Ideen und pfiffigen Lösungen etwas auf die Beine gestellt, das sich abseits des Mainstreams positioniert und als Ganzes raumakustisch exzellent funktioniert - Chapeau! Ja, der Raum ist extrem trocken, nochmals trockener als ich das bei mir hier habe (bei mir im Mittel ca. 200 ms T60 bis hinab zu ca. 100 Hz) und das mag sicherlich vielen im ersten Augenblick nicht gefallen. Es dauert ein paar Augenblicke, bis man sich daran gewöhnt hat, dann aber "stört" es überhaupt nicht (mehr). Meine Meinung ist, dass man sich sowas auch in Ruhe anhören muss und das habe ich getan.

Über Rainer's Setup hier zu berichten ist mbMn (=meiner bescheidenen Meinung nach) nicht weiter notwendig - das ist an anderer Stelle (besser) nachzulesen und meine Schilderung bezieht sich auf den Stand Anfang Juli 2018 mit den drei Basis 14K/P. Das Stereo-Dreieck spannt ziemlich genau die idealen 3 Meter Kantenlänge auf, was auch meiner Erfahrung nach ein Optimum bei der 901K entspricht. Die genaue Titelfolge erinnere ich nicht mehr, aber bereits die ersten Takte Musik ließen mich aufhorchen. Abbildung der (Phantom)Schallquellen, wie auch die Natürlichkeit der Wiedergabe waren atemberaubend. Hier zeigt die 901K, wozu sie - flankiert von den Subwoofern - in der Lage ist. Sieht man 5 Bässe dieser Bauart in Summe vor sich ist der erste Gedanke "Jetzt erschlägt es mich gleich", was aber in der Realität ausblieb. Ich habe ja meine eigenen Erfahrungen (siehe meinen Beitrag über die von mir so titulierte 799) mit vielen Bässen und viel Fläche und Verschiebevolumen und wurde hier wieder in meiner Meinung bestätigt. Rainer hat die Mittenanordnung der Bässe gewählt, was wohl das Optimum in seinem Raum darstellt. Ehrlicherweise kann ich mir schwerlich vorstellen, dass das "noch" besser gehen könnte. Kontrolle, (weder überzogene, noch überzeichnete) Prägnanz und sowohl messerscharfe, wie auch natürliche Abbildung und Darbietung erreichen den Hörer am dedizierten Hörplatz, unabhängig von gewählten Musikmaterial. Kleine Besetzungen, Vocal, Rock, Pop, große Orchester - diese Kette reproduziert, was auf dem Tonträger vorhanden ist. Jedwede "Unsauberkeit" in der Produktion wird entlarvt (ok, es gibt manchmal - speziell bei Vocal-Aufnahmen - die Tendenz, eine Aufnahme quasi überpräsent einzuspielen, was nicht immer meinem Gusto entspricht, aber durchaus interessant sein kann). Gerade bei Kunsthall wird oftmals geaast und solche "Inkongruenzen" in der Produktion gibt es dann auch auf dem Silbertablett. Gleichwohl verblüffen auch alte Aufnahmen aus den Sechzigern (Wagner's Ring der Nibelungen, auch hier anderweitig im Forum von Rainer beschrieben) mit einer Transparenz und Intensität, die ihresgleichen sucht.

Fazit: War das gut? Ja, das war sogar Spitze! Rainer's Kette gehört für mich mit zum besten, was ich in meinem Leben bis jetzt hören durfte und meine ehrliche Meinung ist, dass es schwerlich nur (objektiv und in der Summe des Gesamten) besser geht. Wer immer vom Hausherren die Möglichkeit gewährt bekommt, sich das in Ruhe anhören zu dürfen, ist ein Thor, täte er es nicht.

Rainer, nochmals - CHAPEAU!

Reihum einen schönen Tag, Euer Chris