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Thema: Hörräume im Praxistest

  1. #1

    Hörräume im Praxistest

    Hier ist Raum für Diskussionen rund um erlebte Hörräume:
    stark oder schwach bedämpft, groß oder klein.... Wie wurden sie behandelt? Warum klingt es dort so wie es klingt?
    Es geht um Theorie, aber auch um erlebte Klangeindrücke z.B. bei Forenbesuchen u.Ä.

  2. #2
    Gute Idee,
    dann verwässert man personenbezogene threads nicht.
    Meine neusten Erkenntnisse und Vergleiche schreibe ich dann hier, sobald ich Zeit finde und eine echte Tastertur vor mir habe.

  3. #3
    Ich möchte mit einer Aussage beginnen, die immer wieder formuliert wird, meiner Ansicht nach aber falsch ist.
    Sinngemäß lautet sie etwa so:
    "In stark bedämpften Räumen fehlt der Musik etwas, weil Feinheiten des Signals verloren gehen."

    Vorausschicken möchte ich: Meine Betrachtungen gelten für Direktstrahler und nicht für LS-Konstruktionen, die explizit auf die Mitwirkung des Raumes angewiesen sind.

    In stark bedämpften Räumen wird der Diffusschall zurückgedrängt, so dass der Direktschall - quasi die direkte Sichtverbindung zum LS - relativ stark an Bedeutung gewinnt.
    Was direkt vom LS abgestrahlt wird, enthält alle Informationen, die der LS wiedergeben kann. Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit.
    Die Raumantwort kann nichts hinzugeben, was nicht schon vorher im abgestrahlten Signal enthalten war. Das ist logisch unmöglich.
    Sie kann nur Teile des Ursprungssignals mit unterschiedlicher Intensität und Verzögerung dem Direktschall hinzumischen, der dadurch mehr oder weniger stark verschmiert wird.

    Diese vom Raum hinzugefügten verspäteten Schallanteile, die ausnahmslos aus dem Direktschall "extrahiert" wurden, können zwar zu einem subjektiv gefälligeren Gesamtklang führen.
    Prinzipiell können sie aber keinerlei Informationen enthalten, die nicht schon im Ursprungssignal enthalten waren.

    Die sauberste Form des vom LS abgestrahlten Schalls erhält man am Hörplatz also nur, wenn man die vom Raum aus eben diesem Ursprungssignal extrahierten Nachläufer vermeidet.
    Prinzipiell - und nach meiner eindeutigen Hörerfahrung - ist es also genau anders herum: Stark bedämpfte Hörräume legen die Feininformationen in der Musik überhaupt erst frei, die überlicherweise vom nachlaufendn Diffusschall zugedeckt werden.

    Dabei ist nur ein Punkt zu beachten, der sich messtechnisch leicht überprüfen lässt:
    Das Bündelungsmaß muss stimmen. Auch ohne Reflexionen des Raumes muss über den gesamten FG gesehen genug Direkt-Pegel am Hörplatz ankommen.
    Einen eventuellen Höhenabfall zeigt eine Messung sofort. Nach meiner Erfahrung tritt ein solcher Abfall aber nicht ein, wenn man ein sauberes Stereodreieck mit nicht zu großen Hörabständen aufbaut.

  4. #4
    Hallo Rainer,

    ich stimme deinen Ausführungen zu.
    Die Frage ist, was ist ein bedämpfter Raum und wann ist ein Raum (zu) stark bedämpft? Die Nachhallzeit ist eine Frage des Geschmacks, manche mögen es sehr trocken, andere wollen gerade diese Reflexionen zusätzlich zum Musiksignal hören. Dazu kommt noch die Frequenzabhängigkeit.

    Ich habe sehr viele Messungen in unterschiedlichen Räumen durchgeführt. Die meisten der Hörer die ich getroffen habe, ca. 90 %, finden einen Raum bei dem die Nachhallzeit knapp unterhalb der oberen Toleranzgrenze der Musiknorm liegt gut. Richtung untere Toleranzgrenze, ca. mittig waren es immer noch ca. 60-70 %.
    Ich persönlich höre eher etwas unter der unteren Toleranzgrenze, das entpricht etwa der Studionorm.

    In Fabians Raum z.B. liegt die NHZ ab 100 Hz unter der Studionorm das dürfte sehr vielen zu trocken sein.

    Gruß
    Holger
    Gewerblicher Teilnehmer

    www.aktivposten.net

  5. #5
    Hallo Holger,

    natürlich gibt es verschiedene Geschmäcker und naturgemäß trifft man bei extremen Abstimmungen (wie meiner) eher weniger den Geschmack der „breiten Masse“. Von daher bin ich mir bewusst, dass nicht viele Leute in meinem Hörraum glücklich wären was ja auch völlig ok ist.
    Konzeptionell habe ich bei der Gestalltung meines Hörraums quasi den gleichen Ansatz verfolgt, wie Rainer beschrieben hat. Auch ich bin der Meinung, das im Direktschall 100% der Informationen, welche der LS liefern kann, enthalten sind. Die möchte ich haben. Der Diffusschall liefert mir meinem Verständnis nach zum einen nicht 100% der Informationen und zum anderen zeitlich versetzt. Somit ist in meinem Gedankenmodell der Direktschall entscheidend und der Diffusschall eher hinderlich da er das „saubere Direktsignal“ verschmiert. Dazu kommt, das ich schon immer gerne Anlagen in trockenen Räumen gehört habe und mir diese scheinbar geschmacklich eher liegen.

    Das ist mein Gedankenspiel gewesen, welches Grundlage beim Bau meines Hörraumes war. Ob meine Theorie nun richtig und das Ergebnis für mich am Ende des Tages auch zufriedenstellend ist, wusste ich bei der Konzeption nicht - das war also auch ein Stück weit ein Schuss ins Blaue. Bisher hab ich ihn noch nicht bereut.
    Grüße
    Fabian

  6. #6
    Hallo Fabian,

    Zitat Zitat von fst Beitrag anzeigen
    Bisher hab ich ihn noch nicht bereut.
    darum geht es

    Gruß
    Holger
    Gewerblicher Teilnehmer

    www.aktivposten.net

  7. #7
    Erfahrener Benutzer
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    310
    Hallo in die Runde, auch wenn es jetzt langweilig wird...
    Ich habe die selben Erfahrungen mit meinem Raum gemacht, wie es Rainer ja schon so schön beschrieben hatte.

    Mein Anspruch war/ist, es soll sich so anhören und anfühlen, als ob ich in einem Kopfhörer sitze. Ein Kopfhörer, der den gesamten Körper einschließt (incl Körperschall).
    Durch die raumakustischen Maßnahmen bin ich diesem Ziel sehr nahe (näher) gekommen, da nun der Direktschall meiner LS (Coax / GPA 212-8a) ohne all zu viele störenden Reflexionen bei mir ankommt .
    Das Klangbild rückt sehr nah an den Hörer und generiert bei vielen Aufnahmen den Eindruck im Geschehen zu sitzen (was mir absolut gut gefällt)

    Erst nach der Raumanpassung habe ich wirklich verstanden, was alles durch meinen Raum der Musik zu/beigefügt worden ist. Ja, wie verschmiert und unsauber (falsch) sie dadurch eigentlich wurde. Jetzt habe ich den Eindruck, dass ich das höre, was auf der CD/LP drauf ist und wenn es drauf ist, dann ist es zum niederknien schön.
    Carsten Nachhall.jpg

    Grüße
    Carsten

    Mein Raum ist ca 15qm groß
    In den Raumecken habe ich Bassfallen
    An den Seitenwänden sind Absorber
    An der Decke und der Rückwand eine Mischung aus Absorber und Diffusoren
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken
    Geändert von phono72 (10.01.2019 um 10:24 Uhr)

  8. #8
    Dann will ich auch mal einen wesentlichen Nachteil derartig extremer Raumbehandlung anführen:
    Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Hörzone bzw. Sweetspot und Nachhallzeit.
    Sie sind sozusagen umgekehrt proportional.

    Will sagen: Je trockener der Raum und je schärfer die daraus resultierende Bühnenabbildung werden, desto mehr schrumpft die Hörzone zu einem veritablen Sweet-"Spot" zusammen. Man muss (einzeln!) genau mittig im Sweetspot sitzen, um den optimalen Klangeindruck zu erhalten.
    Schon ein geringes Schwanken des Kopfes nach links und rechts verändert den Klangeindruck viel stärker als es in einem weniger stark bedämpften Raum der Fall ist. Es fehlt eben die Klangwolke des Nachhalls, die gleichmäßig im Raum verteilt und daher viel weniger positionsabhängig ist.

    Es mag da geringe Unterschiede je nach LS-Modell geben. Im Prinzip kommt man aber an diesem Umstand nicht vorbei. Eine exakte Raumdarstellung auf extrem hohen Niveau, wie sie nur durch gleichmäßig sehr niedrige Nachhallzeiten erreicht wird, kann niemals gleichzeitig auf vielen Hörplätzen wahrgenommen werden. Das kann Stereo nicht leisten.

  9. #9
    Erfahrener Benutzer
    Registriert seit
    15.10.2014
    Beiträge
    186
    Zitat Zitat von phono72 Beitrag anzeigen

    Erst nach der Raumanpassung habe ich wirklich verstanden, was alles durch meinen Raum der Musik zu/beigefügt worden ist. Ja, wie verschmiert und unsauber (falsch) sie dadurch eigentlich wurde.
    Dem möchte ich nicht grundsätzlich widersprechen. Aber beim Betrieb von
    Dipolstrahlern, wie bei mir, spielt der Raum ein wenig mit. Dabei habe ich
    nicht den Eindruck, dass dies zu Unsauberkeiten führt. Bei einem einem
    genügendem Abstand zu den Begrenzungsflächen (Wänden z.B.) kann der
    Hörsinn zwischen Direktschall und Raumklang gut unterscheiden. Das heißt
    nicht, dass der Klang des Raumes egal ist, eher im Gegenteil. Mit einer über-
    legten Mischung aus Diffussion und Dämpfung kann auch ein Wohnraum an-
    genehm klingen.

    Gruß Mart

  10. #10
    Hallo Mart!

    Da ich mich mit Dipolen nicht auskenne, fände ich es interessant, mehr über die optimale Raumakustik für solche LS-Konzepte zu lernen.
    Welche Raumakustik-Maßnahmen sind für Dipole sinnvoll? Welche weniger? Welche sogar kontraproduktiv?
    Braucht man nur die rückwärtigen Reflexionen und kann dennoch Spiegelpunkte an den Wänden behandeln?
    Darf die Nachhallzeit nicht beliebig sinken?
    Sind Maßnahmen zur Modenbekämpfung identisch?

    Gruß!
    Rainer

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